Mehr Energiegemeinschaften = mehr Strom? Nicht automatisch.
Es klingt zunächst logisch: Wenn ich in mehreren Energiegemeinschaften Mitglied bin, kann ich auch mehr Strom aus Energiegemeinschaften beziehen.
Das kann stimmen – muss aber nicht.
Denn dein Zählpunkt hat insgesamt immer nur 100 % Teilnahmefaktor. Kommst du in eine weitere Energiegemeinschaft, entstehen keine zusätzlichen 100 %. Die vorhandenen 100 % werden lediglich auf mehrere Gemeinschaften aufgeteilt.
Entscheidend ist deshalb nicht, in wie vielen Energiegemeinschaften du Mitglied bist, sondern wie gut diese 100 % verteilt und laufend angepasst werden.
Warum der Teilnahmefaktor entscheidend ist
Der Teilnahmefaktor – kurz TNF – bestimmt, welcher Anteil deines Zählpunkts einer Energiegemeinschaft zur Verfügung steht.
Bei einer Gemeinschaft können das beispielsweise 100 % sein.
Bei zwei Gemeinschaften könnte die Aufteilung bei 50 / 50 liegen, bei drei Gemeinschaften bei rund 34 / 33 / 33.
Das Problem dabei: Die verfügbare Energie verändert sich laufend.
An einem sonnigen Tag steht viel PV-Strom zur Verfügung. An einem regnerischen Tag kann Wasserkraft deutlich wichtiger werden. Eine fixe Aufteilung passt daher vielleicht heute gut – morgen aber überhaupt nicht mehr.
Ein Haushalt, drei unterschiedliche Tage
Unsere Grafik zeigt denselben Haushalt an drei unterschiedlichen Tagen.
Der Verbrauch des Haushalts bleibt vergleichbar. Was sich verändert, sind Wetter, Stromerzeugung und die Aufteilung auf die Energiegemeinschaften.
Verglichen werden vier Varianten:
- nur eine lokale EEG mit PV,
- zwei Gemeinschaften der EG Austria mit optimierten Teilnahmefaktoren,
- dieselben zwei Gemeinschaften mit einem fixen 50/50-Verhältnis,
- zusätzlich eine externe PV-Energiegemeinschaft mit fixer Drittel-Aufteilung.

Die Grafik zeigt vor allem eines:
Mehr Energiegemeinschaften bedeuten nicht automatisch mehr Strom aus Energiegemeinschaften. Eine schlecht passende Aufteilung kann sogar das Gegenteil bewirken.
Zwei Gemeinschaften können sich sehr gut ergänzen
Besonders deutlich wird das am regnerischen Tag 2.
Mit nur einer lokalen, PV-geprägten EEG werden 23,3 % des Strombedarfs des Haushalts aus der Gemeinschaft gedeckt.
Werden innerhalb der EG Austria zwei unterschiedlich zusammengesetzte Gemeinschaften kombiniert und die Teilnahmefaktoren an die erwartete Erzeugung angepasst, steigt die Deckung auf 68,5 %.
Der Grund: An diesem Tag wird wenig PV-Strom erwartet, dafür steht mehr Wasserkraft zur Verfügung.
Deshalb wird der Teilnahmefaktor in unserem Beispiel auf 7 % für die EEG und 93 % für die BEG verschoben.
So bekommt jene Gemeinschaft mehr Spielraum, die an diesem Tag tatsächlich mehr beitragen kann.
Dieselben Gemeinschaften – aber ohne Optimierung
Jetzt bleiben die beiden Energiegemeinschaften exakt gleich.
Wir ändern nur den Teilnahmefaktor und setzen ihn dauerhaft auf 50 / 50.
Am sonnigen Tag macht das kaum einen Unterschied. Die fixe Aufteilung passt dort zufällig gut.
Am regnerischen Tag sieht es anders aus:
Statt 68,5 % werden nur noch 58,9 % des Strombedarfs aus den beiden Gemeinschaften gedeckt.
Das sind 9,6 Prozentpunkte weniger – obwohl sich weder der Haushalt noch die Energiegemeinschaften verändert haben.
Der Unterschied entsteht allein durch die Aufteilung.
Und was passiert bei einer dritten Energiegemeinschaft?
Im letzten Beispiel kommt eine zusätzliche externe, ebenfalls PV-geprägte EEG hinzu.
Der Teilnahmefaktor wird nun fix auf ungefähr drei gleiche Teile verteilt:
34 % / 33 % / 33 %
Damit steht jeder einzelnen Gemeinschaft nur noch etwa ein Drittel des Zählpunkts zur Verfügung.
Das wird am regnerischen Tag besonders deutlich: Die beiden PV-geprägten Gemeinschaften können nur wenig beitragen. Trotzdem sind große Teile des Teilnahmefaktors weiterhin dort gebunden.
Die Gemeinschaft mit mehr verfügbarer Wasserkraft könnte zwar wesentlich mehr Strom liefern – ihr stehen aber nur rund 33 % zur Verfügung.
Das Ergebnis:
46,8 % Deckung statt 68,5 % bei der optimierten Variante.
Ein Unterschied von 21,7 Prozentpunkten.
Auch an den anderen beiden Tagen schneidet die fixe Aufteilung auf drei Gemeinschaften in unserem Beispiel schlechter ab.
Sind mehrere Energiegemeinschaften also schlecht?
Nein. Im Gegenteil: Mehrfachteilnahme kann sehr sinnvoll sein.
Gerade unterschiedliche Erzeugungsarten können sich hervorragend ergänzen. Photovoltaik produziert zu anderen Zeiten als Wasser- oder Windkraft.
Genau deshalb kombinieren wir bei der EG Austria regionale EEGs mit unserer österreichweiten Bürgerenergiegemeinschaft 7Energy und unterschiedlichen Erzeugungsformen.
Der entscheidende Unterschied ist jedoch:
Die Gemeinschaften sollten nicht einfach nur nebeneinander bestehen – ihre Teilnahmefaktoren müssen sinnvoll aufeinander abgestimmt werden.
Nicht die Anzahl entscheidet, sondern die Aufteilung
Am Ende ist deshalb nicht die Frage entscheidend:
„In wie vielen Energiegemeinschaften bin ich Mitglied?“
Sondern:
„Wie gut werden meine 100 % zwischen diesen Gemeinschaften genutzt?“
Mehrfachteilnahme kann den Bezug aus Energiegemeinschaften erhöhen. Eine starre oder nicht abgestimmte Aufteilung kann diesen Vorteil aber wieder zunichtemachen.
